Wörterbuch

 

Hier entsteht das große historische Frankfurter Aussprachewörterbuch (FAWB).

Die frankfurterische Aussprache entspricht, falls nicht anders angegeben, dem des klassischen Frankfurterisch um 1920,  so wie in Rauh (1921a) beschrieben. Jüngeres Frankfurterisch aus den 1930-ern ist entweder die Jugendsprache aus Rauh (1921a) oder folgt Rauh/Bodensohn (1939–1945). Proben des Frankfurter Dialekts aus dem 19. Jahrhundert basieren auf Oppel (1839-1894) oder Wülcker (1877). Einer von mir erschlossenen Frankfurter Aussprache ist ein „*” vorangestellt.

Im Augenblick sind hier nur ausgewählte Proben gedruckt – zu weiteren Beispielen und vor allem zu den Quellbelegen bzw. Lautschreibungen von Oppel, Wülcker und Rauh sowie den phonetisch-phonologischen Erläuterungen sei vorerst noch auf Keil (2017, S. 283-426) verwiesen. Das in Keil (2017) gedruckte kleine Frankfurter Aussprachewörterbuch ist hier als Online-PDF-Leseprobe verfügbar.

Mit [FWB:] markierte Quellen sind den Frankfurter Wörterbuch, FWB (1988), entnommen und weiter detailliert. Die in einigen Fällen gedruckte hochdeutsche Aussprache folgt im Wesentlichen der Deutschen Bühnensprache nach Siebs (1912). Die Lautschrift mit IPA-Lautzeichen, die einfache Umschrift und weitere Erläuterungen zum Hochdeutschen sind in den Einträgen Die Vokale und Die Konsonanten sowie unter dem Menüpunkt Die Laute zu finden.   Mit () geklammerte Laute sind unsicher/optional.

Das Wörterbuch enthält Audiobeispiele, die der Frankfurter Aufnahme des „Lautdenkmals reichsdeutscher Mundarten” von 1937 entnommen wurden [Purschke 2014 f.]. Christoph Purschke stellte das Material zur Verfügung und der Deutsche Sprachatlas, Marburg, genehmigte die Internetpublikation auf dieser Webseite (Danke!).

Lieber Leser. Gerne nehme ich Wünsche entgegen, welche Wörter hier als Nächstes eingetragen werden sollen.

A

  • alt. →älter. Hochdeutsch: [ɛltɐ] bzw. [ältr]. Frankfurterisch: [eldæ] bzw. [eldä].
  • Apfel. Äpfel (Plural). Hochdeutsch: [ɛpfəl] bzw. [äpfel]. Frankfurterisch: [ɛbḷ] bzw. [äbbl].
  • Auge. Frankfurterisch: [aːx] bzw. [aach]. Augenblick. Im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .

B

  • Bämpel (Bembel).  [1] Glocken- oder Brunnenschwengel; also hier Ableitung von bampeln (Umlaut). [2] Apfelweinkrug; mögliche Ableitung von Bombe bzw. dem Diminutiv Bömbchen, hier in der ursprünglichen Bedeutung Flasche oder Gefäß (aus: franz. bombe; ital. bomba). Das Ö entspricht im Frankfurterischen einem E. Frankfurterisch: [*bembḷ] bzw. [*bembl]; ab etwa 1925 dann [*bɛmbḷ] bzw. [*bämbl].
  • Baum. Frankfurterisch: [baːm] bzw. [baam].
  • Bein. Frankfurterisch: [bãː] bzw. [båå(n)].
  • Besser. Frankfurterisch: [bezæ] bzw. [bessä].
  • Bett. Hochdeutsch: [bɛt] bzw. [bät]. Frankfurterisch: [bet] bzw. [bett]; ab etwa 1925 dann [bɛt] bzw. [bätt].
  • blähen.  Hochdeutsch: [blɛːən] bzw. [blääen]. Frankfurterisch: [ple:ȷə] bzw. [pleeȷe].
  • Brille. Frankfurterisch [pril] bzw. [prill]. Brillenhannes. Brillenträger (spöttisch). Hannes aus Johannes.  Frankfurterisch [priləhanəs] bzw. [prillehannes]. „A was will dann der Prillenhannes? A ich schlache-n-em sein Prill in die Ache enei, daßer hinne widder eraus fehrt“ [FWB Bd. I, S. 386: Oppel, 1839-1894].
  • Brücke. Hochdeutsch[brʏkə] bzw. [brücke]. Frankfurterisch [prik] bzw. [prikk].
  • Bruder. → Brüder (Plural).  Frankfurterisch [priːdæ] bzw. [Priidä]; Im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .
  • Bürger. Frankfurterisch [bæːɐjæ] bzw. [bÄÄrjä]. Im  Frankfurter Lautdenkmal (1937) Bürgerkrieg und Bürgermeister:
    .
  • Bürste. Frankfurterisch: [bææʃt] bzw. [bÄäscht].

D

  • dir. Frankfurterisch: [diːɐ] bzw. [diir].

F

  • Fass Hochdeutsch und Frankfurterisch: [fas] bzw. [fass].
  • fliegen.  Frankfurterisch: [fli:ıə] bzw. [fliiıe].
  • Frau. Frankfurterisch: [fʀaː] bzw. [fraa].
  • freuen. Frankfurterisch: [fʀaːə] bzw. [fraae]; ab etwa 1925 dann [fʀoɪə] bzw. [froie].

G

  • Gans.  Gänschen (Diminutiv). Frankfurterisch Gänsi: [genziː] bzw. [gensii].
  • gelb. Hochdeutsch: [gɛlp] bzw. [gälp]. Frankfurterisch: [gɛːl] bzw. [gääl].
  • gemütlichgemütlichen. Frankfurterisch [gəmiːtliʒə] bzw. [gemiitlische]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .
  • glauben. Frankfurterisch [klaːvə] bzw. [klaawe ]. Glaubst du es  im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .
  • Gräber. Hochdeutsch: [grɛːbɐ]. bzw. [grääbr]. Frankfurterisch: [kʀɛːvæ] bzw. [krääwä].
  • großam größten. Frankfurterisch [kreːstə] bzw. [kreeste]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .

H

  • Hase. Hochdeutsch: [haːzə] bzw. [haase]. Frankfurterisch: [hɑːs] bzw. [håås].
  • Herz. Frankfurterisch: [hæɐts] bzw. [hÄrts].

K

  • Kehricht (Kehrschel). Was mit dem Besen fortgekehrt wird, vermutlich aus altem kerach, später dann kerich [DWB, Bd. 11, Sp. 426]. Frankfurterisch: [*khæ(ː)æʃḷ] bzw. [*khÄ(Ä)äschl]. Kehrschelhannes. Angestellter der Müllabfuhr. Zusammengesetzt aus Kehrschel und Hannes (aus Johannes). Frankfurterisch: [*khæ(ː)æʃḷhanəs] bzw. [*khÄ(Ä)äschlhannes]. „Du bist der Kerschelhannes/ Un stehst so sittsam hier/ Un kehrst de Dreck/ dagtäglich/ Vor annern ihre Dier“ [FWB: Lachhannes, 1902]. Kehrschelhannes im übertragenen Sinn für ungepflegter Mann. „Bei dem hat der Kehrschelhannes Gevatter gestanne“ [F. Stoltze; in: Hase, 1938]. Kehrschelkäthe; auch: Kehrschelkathrine. Übertragen für: ungepflegte Frau. Frankfurterisch:  [*khæ(ː)æʃḷkhɛt] bzw. [*khÄ(Ä)äschlkhätt]. „Des is e recht Kehrschelkätt“ [F. Stoltze; in: Hase, 1939; Rauh, 1941]. Vgl. auch FWB, Bd. III, S. 1433–1435.
  • kein. Frankfurterisch [kãː] bzw. [kåå(n)]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .
  • Können/könnte. Frankfurterisch [kenə/kentə] bzw. [kenne/kente]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .
  • Kopf. Köpfe.  Frankfurterisch [kep] bzw. [kepp]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .
  • Kranz. Kränze (Plural). Frankfurterisch: [kʀends] bzw. [krends].
  • Krieg. Frankfurterisch [kriːʃ] bzw. [kriisch]. Im  Frankfurter Lautdenkmal (1937) Bürgerkrieg:
    .
  • Kunst. Kunststücke. Frankfurterisch [kunstikæ] bzw. [kunstschtikä]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1939):
    .

L

  • Loch. → Löcher (Plural). Hochdeutsch [lœxɐ] bzw. [löcher]. Frankfurterisch [leʒæ] bzw. [leʃä]

M

  • Meister. Frankfurterisch: [maːsdæ] bzw. [maasdä]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1937) in Bürgermeister:

  • Mensch. Frankfurterisch: [mendʃ] bzw. [mendsch].

N

  • natürlich Frankfurterisch [nɑ:tiːɐliʃ] bzw. [nååtiirlisch]. Im Lautdenkmal (1937) allerdings mit Neigung zum Ü:
    .

P

  • Pflanze. Pflänzchen (Diminutiv). Frankfurterisch Plänsi: [plenziː] bzw. [plensii].

R

  •  Regen.  Hochdeutsch: [reːgən] bzw. [reegn]. Frankfurterisch: [ʀɛːʒə] bzw. [rääsche].

S

  • sagen Hochdeutsch: [zaːgən] bzw. [saagen]. Frankfurterisch: [sɑːxə] bzw. [sååche]. →  du sagst. Frankfurterisch:  [sɛːʃst] bzw. [sääschst]. Ab etwa 1925 dann [sɛʃst] bzw. [säschst].
  • Schatten.  Frankfurterisch: [ʃɑdə] bzw. [schådde]. Ab etwa 1925 dann [ʃadə] bzw. [schadde]. →  Schattenbembelzusammengesetzt aus Schatten und Bämpel (hier: Schwengel); spöttisch für untergewichtigen Menschen:  [*ʃɑdəbembl] bzw. [*schaddebembl].
  • Schlaf. Hochdeutsch: [ʃlaːf] bzw. [schlaaf]. Frankfurterisch: [ʃlɑːf] bzw. [schlååf].
  • Schnee. Hochdeutsch und Frankfurterisch:  [ʃneː] bzw. [schnee].
  • Schnupfen. Hochdeutsch: [ʃnʊpfən] bzw. [schnupfn]. Frankfurterisch: [ʃnubə] bzw. [schnubbe].
  • spülen. Hochdeutsch: [ʃpyːlən] bzw. [schpüülen]. Frankfurterisch: [ʃpiːlə] bzw. [schpiile].
  • Straße. Hochdeutsch: [ʃtraːsə] bzw. [schtraase]. Frankfurterisch: [ʃtʀɑːs] bzw. [schtråås].
  • Stücke. Kunststücke. Frankfurterisch [kunstikæ] bzw. [kunstschtikä]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1939):
    .

T

  • Tasche. Frankfurterisch: [daʃ] bzw. [dasch]. Um 1400 noch umgelautet [*dɛʃ] bzw. [*däsch].
  • Teufel.  Hochdeutsch: [tɔʏfəl] bzw. [toüfl]. Frankfurterisch: [daɪvḷ] bzw. [daiwl].
  • Tor. Frankfurterisch: [doːɐ] bzw. [door].
  • tun. → getan. Frankfurterisch: [gədãː] bzw. [gedåå(n)].

Ü

  • Über.  → vorüber. Frankfurterisch [forivæ] bzw. [forriwwä]. Im Frankfurter Lautdenkmal (1937):
    .

W

  • waschen. Frankfurterisch:  [vɛʒə] bzw. [wäsche]. Wäsche. Frankfurterisch:  [vɛʃ] bzw. [wäsch].
  • Weide (Baum). Frankfurterisch:  [vaid] bzw. [waid].
  • Weide (Wiese). Frankfurterisch:  [vaːd] bzw. [waad].
  • Weg. Frankfurterisch: [vɛːʃ] bzw. [wääsch]; ab etwa 1925 dann [veːʃ] bzw. [weesch].
  • werfen. → geworfen Frankfurterisch: [gəvɔɐṿə] bzw. [geworve].
  • Wirt. Hochdeutsch: [vɪɐt] bzw. [wirt]. Frankfurterisch: [væɐt] bzw. [wÄrt].
  • Wurst. Frankfurterisch: [vɔɐʃt] bzw. [worscht]; ab etwa 1925 dann [vaʃt] bzw. [wascht].

Z

  • zwei. Frankfurterisch: [tsvaː] bzw. [tswaa].

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Das wissenschaftliche Buch zum Frankfurter Stadtdialekt: Der VokalJäger (Deutsche Dialektgeographie, Band 122)