Tondokumente

Ein weiterer und wichtiger Zugang zum Frankfurterischen ist die Untersuchung historischer Tondokumente. Es ist z. B. möglich, mit modernen Verfahren des Machine-Learnings Dialektunterschiede phonetisch-algorithmisch zu messen.  So kann etwa der Lautwandel des historischen Frankfurterischen aus den 1930-er Jahren bis zum heutigen „RMV-Hessisch” vermessen werden. Das technische Verfahren dazu trägt den Namen VokalJäger [Keil 2017]. Die mathematisch-technische Einführung in die Methode findet sich auf der Schwesterwebseite vokaljaeger.org.

Das Lautdenkmal reichsdeutscher Mundarten von 1937

Zum Frankfurterischen existiert aus dem Lautdenkmal reichsdeutscher Mundarten eine Schallplattenaufnahme von 1937, in der ein Postangestellter im tiefsten Frankfurterisch Hitlers Machtergreifung bejubelt. Das „Lautdenkmal” war ein Projekt des Deutschen Beamtenbundes: Der Marburger Dialektforscher Bernhard Martin wurde beauftragt, Dialektaufnahmen im Deutschen Reich zu erstellen, zu sammeln und auf Schallplatte zu pressen. Das Ganze war als Geburtstagsgeschenk an den „Führer”  geplant. Diese etwa 300 Schallplatten von etwa jeweils drei Minuten Sprechdauer liegen nun im Deutschen Sprachatlas (DSA) in Marburg digitalisiert vor. Mit dem „Frankfurter Lautdenkmal”  existiert somit ein unschätzbares „Live”-Dokument der Frankfurter Stadtmundart kurz vor ihrem Untergang 1945. Für die Frankfurter Umgebung, etwa Klein-Gerau, gibt es ebenfalls Lautdenkmal-Aufnahmen, so dass die damals noch existierenden Unterschiede deutlich hervorstechen. Christoph Purschke stellte mir die Lautdenkmal-Aufnahmen zur Verfügung [lautdenkmal.de; Purschke 2014 f.] und der Deutsche Sprachatlas genehmigte die auszugsweise Veröffentlichung auf dieser Webseite (Vielen Dank!). Damit können zum ersten Mal in strukturierter Form Audiodokumente des historischen Frankfurterisch der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Aus der Lautdenkmal-Aufnahme wurden Beispiele extrahiert, die hier an entsprechender Stelle zum Anhören in die Webseite eingearbeitet wurden (insbesondere im Ausprachewörterbuch).

Das Akademievorhaben Regionalsprache.de (REDE)

Seit den 2000er-Jahren werden im Rahmen des Akademievorhabens Regionalsprache.de (REDE) bundesweit Dialektaufnahmen erstellt, u.a. auch solche, die Frankfurt zugeordnet werden [Schmidt/Herrgen/Kehrein 2008 f.]. Diese Tonaufnahmen dokumentieren einen jüngeren Sprachstand.

Hier ist es nun insbesondere interessant, den Sprachwandel zwischen dem Frankfurter Lautdenkmal von 1937 und heute – bzw. den REDE-Aufnahmen – phonetisch-algorithmisch zu messen, was im Detail in Keil (2017) dokumentiert und auf vokaljaeger.org zusammengefasst ist.


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Das wissenschaftliche Buch zum Frankfurter Stadtdialekt: Der VokalJäger (Deutsche Dialektgeographie, Band 122)