Der VokalJäger

[Bild: Keil (2017), VokalJäger. Deutsche Dialektgeographie, 122]

Der VokalJäger

Eine phonetisch-algorithmische Methode zur Vokaluntersuchung. Exemplarisch angewendet auf historische Tondokumente der Frankfurter Stadtmundart (Deutsche Dialektgeographie, Band 122)


Carsten Keil gelingt es durch die Verbindung von mathematisch-naturwissenschaftlichen und linguistisch-geisteswissenschaftlichen Möglichkeiten, Lautwandlungen im Frankfurter Stadtdialekt im Lauf der letzten 200 Jahre exakt aufzuzeigen. Von den umgebenden zentralhessischen Dialektverhältnissen stark abweichend, hat der Stadtdialekt eigene Wege beschritten, wozu insbesondere der Wandel des gedehnten a gehört. Mit dem VokalJäger, einer allgemein nutzbaren algorithmischen Prozesskette zur automatischen Merkmalsklassifikation, werden in Verbindung mit robuster Messphonetik und historischer Phonologie die Lautqualitäten exakt ermittelt und die daraus resultierenden Lautwandlungen in den sich verändernden Lautsystemen aufgezeigt. Auf diese Weise liefert der Autor durch Methodenkombination eine neue Ergebnisse bringende, aufschlussreiche Studie.

[Em. Univ. Prof. Dr. Peter Wiesinger, Wien auf der Webseite des Olms-Weidmann Fachverlags]


Der VokalJäger ist eine algorithmische Prozesskette zur automatisierten Klassifikation phonetischer Merkmale in monophthongischen Vokalen. Machine-Learning ermöglicht in diesem neuen Ansatz, Merkmalsunterschiede zwischen dialektalen Sprachproben und einer hochdeutschen Referenz, hier dem Kiel-Korpus, statistisch zu messen.

In exemplarischer Anwendung werden historische und moderne Aufnahmen des Frankfurterischen aus dem Lautdenkmal reichsdeutscher Mundarten und des Projekts Regionalsprache.de (REDE) analysiert. Die Ergebnisse zeigen insbesondere das Verschwinden des charakteristischen dunklen velaren A: War es 1937 noch messbar vorhanden, so fehlt es im jüngeren Frankfurter Dialekt.

Als Bezugspunkt wird der Frankfurter Stadtdialekt rekonstruiert – basierend auf bisher noch nicht historisch-phonologisch untersuchten Quellen aus dem Institut für Stadtgeschichte Frankfurt am Main. Vor allem die Aufzeichnungen Joseph Oppels (1815–1894) und Ludwig Rauhs (1892–1945) erlauben so die real-time Darstellung eines Lautwandels des Frankfurterischen über 200 Jahre anhand von 600 hier zum ersten Mal gedruckten Belegen.

Das Inhaltsverzeichnis, Kapitelauszüge und vor allem das kleine Frankfurter Aussprachewörterbuch sind als Online-PDF-Leseproben weiter unten auf dieser Seite erhältlich.

Eine detaillierte Beschreibung des VokalJäger-Verfahrens findet sich auf der Schwesterwebseite vokaljaeger.org.

Carsten Keil, 2017, Buch, Hardcover gebunden, Format A4, XVI/513 S., mit zahlreichen Abb., Grafiken und Tabellen. ISBN: 978-3-487-15588-3. Georg Olms Verlag, Hildesheim.

Dissertation (2016) am Fachbereich Germanistik und Kunstwissenschaften (FB09), Deutscher Sprachatlas, der Philipps-Universität Marburg.

Infoblatt

  • In Frankfurt kann der Band z.B. in der Buchhandlung Erhardt & Kotitschke, Schwarzwaldstraße 42 (Niederad), eingesehen und erworben werden (empfohlen).
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  • Eintrag im Verzeichnis der lieferbaren Bücher (VLB).

Der Georg Olms Verlag, Hildesheim, der die Reihe der Deutschen Dialektgeographie herausgibt, hat die Publikation folgender Online-Leseproben möglich gemacht. Vielen Dank!


Kleines Historisches Aussprachewörterbuch des Frankfurterischen

Dieses Belegverzeichnis führt als kleines historisches Aussprachewörterbuch des Frankfurterischen alle im Rahmen dieser Arbeit herangezogenen ca. 400 Belegstämme auf und verweist auf die entsprechenden Seiten im Text. Jedem Wort ist die normalisierte mittelhochdeutsche Form in Klammern nachgestellt. Der erschlossene bzw. in Rauh (1921a) dokumentierte Lautstand des Frankfurterischen ist in IPA-Notation eckig geklammert angegeben. Zur Transkription vgl. Abschnitt 7.5.3 ab S. 268 und zur phonetisch-phonologischen Gesamteinordnung vgl. Tabelle 58 auf S. 412. Ein expliziter Bezug auf eine Hauptperiode des Frankfurter Stadtdialekts ist mit einer entsprechenden hochgestellten Ziffer notiert: 0 (vor 1825), 1 (1825–1850), 2 (1850–1875), 3 (1875–1900), 4 (1900–1925), 5 (1925–1945), 6 (1945–1975) und 7 (nach 1975). Ein Lautwandel ist mit einem Pfeil angezeigt, wobei dieser jeweils zwischen den bezifferten Perioden stattfand. Fehlt die Ziffer, handelt es sich um den Lautstand der Periode 4. Das dunkle A des Frankfurterischen hatte in Hauptperiode 3 und davor den Lautwert von IPA-[ɔ]. In Hauptperiode 4 ist der Lautwert A-lastiger, was mit dem phonetisch-phonologisch motivierten Lautzeichen [ɑ] angezeigt ist.

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Historisches Frankfurter Ausprachwörterbuch

Inhalt

Inhaltsverzeichnis

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Kapitel 1: Der VokalJäger – Eine Übersicht

Der VokalJäger: Übersicht

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Kapitel 4: Messphonetische Ergebnisse

Dieses Kapitel präsentiert die Ergebnisse der Anwendung der messphonetischen Algorithmen des VokalJägers auf das Hochdeutsche. Dazu wird das Kiel-Korpus of Read Speech exemplarisch mit dem VokalJäger messphonetisch untersucht und dokumentiert. Die Ergebnisse für die ersten beiden Formanten sind in Abbildung 56 auf S. 151 dargestellt und entsprechen dem für das Hochdeutsche Erwarteten. Die akustischen Größen des Hochdeutschen werden auch mit einer Referenzaufnahme der Kardinalvokale verglichen. Die mit dem VokalJäger gemessenen Muster für das Hochdeutsche decken sich mit denen von Vergleichsmessungen (Abschnitt 4.6.4 ab S. 159). Im Ergebnis ist somit der VokalJäger phonetisch auf das Hochdeutsche kalibriert, was eine Voraussetzung für die nachfolgenden Klassiffikationsschritte ist. Die hier gewonnenen Statistiken, insbesondere für die Formanten, sind der hochdeutsche Eichpunkt für die Untersuchung von dialektalen Tondokumenten und deswegen ausführlich in Tabellen und Diagrammen dokumentiert (Abschnitt 4.6.1 ab S. 150).

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Messphonetische Ergebnisse

Aus Kapitel 7: Zu den Lautsymbolen

Hier werden die verwendeten phonetischen Transkriptionsregeln dokumentiert.

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Die Laute des Frankfurterischen

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